Warum wandern ein Weg zu mehr Zufriedenheit sein kann?

Galt wandern früher, ja noch vor ein paar Jahren, als verstaubte Oma und Opa Beschäftigung, rückt es heute immer mehr in den Fokus aller Altersgruppen. Ich bin nun seit zehn Jahren mit meinem Partner zusammen und seit acht Jahren zieht es uns raus, in die Natur, in die Berge, in die Welt. Die ersten gemeinsamen Urlaube waren allesamt Strandurlaube. Warum? Ja, weil man es eben von den Eltern so gekannt hat oder es üblich war. Ich möchte das hier auch auf keinen Fall schlecht reden, doch zum Glück begannen wir uns schon bald zu fragen, ob man nicht auch anders „urlauben“ könne. Denn All Inclusive Strandhotels sagten keinem von uns zu. Damals wurden wir durch einen Bericht über die Kanarische Insel La Gomera auf Wanderurlaube aufmerksam und beschlossen, es einmal zu probieren.

Gesagt, getan, gebucht!

Der Urlaub war herrlich und seitdem hat uns das Reisefieber völlig im Griff. Während meine Freunde nun also nach und nach Häuser bauen und Kinder kriegen, reisen wir um die Welt. Ich gebe zu, sobald ich in ein Flugzeug steige, mit schlechtem Gewissen. Denn ich habe noch keine Lösung gefunden, um anders an entlegenere Orte zu gelangen. Dafür versuchen wir aber während der Reisen, uns so nachhaltig wie möglich zu verhalten. Doch das ist nicht Thema dieses Artikels, nach dessen Vorrede ich nun auch zum Punkt kommen möchte.

Wandern befreit!

Spätestens nach dem Buch (oder dem Film) „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling wird dies deutlich. Ein eingefleischter Wandergegner oder Bewegungsmuffel wird dem nicht zustimmen – aber ich möchte behaupten, alle anderen können nicht umhin, darüber nachzudenken, wie es wäre.

Packt euch da nicht das Fernweh? Oder ist es doch etwas Anderes? Ist es die Suche nach Sinn? Sich selbst etwas zu beweisen?

Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten, ist sie doch zu individuell. Die Beweggründe sind für jeden anders. Der eine möchte sich fit halten, ein anderer sucht das Abenteuer oder die Herausforderung für Körper und Geist.

Es muss ja nicht gleich der Jakobsweg sein!

Natürlich klingt das verlockend, den Pilgerweg unter den Wegen gegangen zu sein. Wer sich aber dann etwas mit der Thematik beschäftigt, wird feststellen, dass es viele Pilger- und Fernwanderwege gibt. Oftmals sogar direkt vor der eigenen Haustür. Und wenn es darum geht, einmal mehr als die sonntägliche Runde zu wandern, dem rate ich, einfach loszulaufen.

Ich hasse es loszulaufen!

Was sich im ersten Moment krass anhört, ist nach so vielen Jahren als Wanderfreak tatsächlich so – zumindest sehr oft. Meist beginnt es mit der Euphorie des Neuen. Einfach draufloslaufen, denke ich mir jedes Mal, was ich spätestens nach dem ersten Tag bereue. Füße schwer wie Blei, Hüfte und Knie strahlen einen stechenden Schmerz aus. Am zweiten Tag das gleiche Spiel. Gehirn meldet an Füße „ach so schlimm ist es doch gar nicht mehr“. Nach weiteren 20 Kilometern kommen die ersten Blasen an den Füßen dazu, die nun unaufhörlich und bei jedem Schritt zu schreien scheinen

„Hör auf mit dem Scheiß und setz’ dich in ein nettes Café!“

Und wären Einkehrmöglichkeiten in der Nähe, ich würde den Rat befolgen. Doch meist ist dies nicht der Fall und so fühlt sich jeder Kilometer, den man näher zum Ziel kommt, doppelt so lang und grausam an. Es gab Wanderungen, da brach ich zusammen und weinte vor Erschöpfung. Bei anderen ärgerte ich mich (obwohl meist niemand etwas dafür kann) über Kleinigkeiten, wie schlechtes Wetter. Manchmal so sehr, dass ich vor Wut die Schuhe ausziehe und wegwerfe – wie ein trotziges Kind. Doch auch diese Phasen gehören dazu. Genau wie jene, wenn man bei Sonnenaufgang völlig alleine auf einem Gipfel steht und die Anmut und Schönheit der Natur bewundern kann. Diese Naturmomente erfüllen mich mit tiefster Dankbarkeit, welche ich ohne die vorherige Anstrengung vielleicht nie so erlebt und wahrgenommen hätte. Klar hätte ich mit dem Auto fast bis nach oben fahren können. Wäre ausgestiegen, hätte desinteressiert ein paar Fotos geschossen, um mich dann auf die Weiterfahrt zum nächsten Aussichtspunkt zu machen. Aber ist es nicht gerade das, was unsere Gesellschaft gleichgültig werden lässt? Wir können alles haben, müssen noch nicht mal eine große Kraftanstrengung ausüben.

Während ich aber Meter um Meter auf der imaginären Skala herunterzähle, ist es plötzlich da – das Ende. Lange herbeigesehnt beschert es mir dann endlich ein noch euphorischeres Gefühl, als beim Start. Jede Faser meines Körpers ist dankbar und vor allem stolz, es geschafft zu haben.

Es ist weit entfernt von Gleichgültigkeit. Es ist das Wertschätzen der kleinen Dinge, die uns zu großer innerer Stärke führen. So wichtig in einer Zeit, in der wir den kleinen Dingen oft keine Beachtung mehr schenken.

Wer es also auch mal versuchen und den Kopf frei kriegen will, dem rate ich:

Einfach tun!

Und hier noch ein paar Seiten, die mir zur Vorbereitung und Inspiration dienen:

Rother Wanderführer

Blog von dariadaria

Blog zum nachhaltigeren Reisen von Funkloch

Blog zum nachhaltigeren Reisen von Green Pearls

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*