Warum ich (fast) keine Kleidung mehr kaufe?

Manche Veränderungen im Leben beginnen mit einem vagen Gefühl. Genau so verhielt es sich mit meiner Einstellung zur Kleidung. Während ich in meiner Jugend gerne, wenn auch nicht oft, mit Freundinnen shoppen war, konnte ich dem die letzten Jahre nicht mehr viel abgewinnen. Lange bevor das Thema in den Medien präsenter wurde, fühlte ich mich bereits unwohl in großen, anonymen Geschäften. Es überforderte mich regelrecht, unter tausenden von Regalen und Stangen auszuwählen. Zumal ich sowieso niemand bin, der für schnelle und unkomplizierte Entscheidungen bekannt ist.

Ich probierte es also damit, Kleidung online zu bestellen.

Doch nachdem es auch hier so war, dass ich mindestens drei Viertel des Kartons wieder zurückschickte und mich dann mein schlechtes Umweltgewissen plagte, war auch diese Option gestorben. Leider gehöre ich auch nicht zu den gesegneten Personen, die einen untrüglichen Geschmack für gutaussehende Kombinationen besitzen. Generell habe ich, was Kleidung angeht, relativ wenig „weibliche“ Eigenschaften.

Bereits im Kindesalter legte mir meine Mutter bis in die 6.Klasse Kleidung zurecht, die ich ohne murren anzog. Hätte sie es nicht getan, wäre ich vermutlich wochenlang mit der gleichen Hose rumgelaufen und sicher zum Gespött meiner Mitschüler geworden. Im Gegensatz zu meiner Schwester, die recht früh einen eigenen Kleidungswillen entwickelte und immer nur rosa Röcke anziehen wollte, war mir völlig egal, was ich trug. Wie gesagt, gibt es wohl in fast jedem Leben eines weiblichen Teenagers Phasen, in denen man sich über Kleidung definiert, aber ich für meinen Teil bin froh, dass es bei mir eine kurze Phase geblieben ist.

Nachdem ich mit Anfang 20 meinen Partner kennenlernte, übernahm dieser nach einiger Zeit die Rolle, Kleidung für mich zu suchen. Und was soll ich sagen? Mir erspart es Stress und er liegt meist goldrichtig.

Dann begann der Wandel…

…und das Thema wurde auch durch die Medien publik gemacht. Ob oft als Kunstpelz deklarierter Echtpelz oder katastrophale Produktionsbedingungen in Indien und anderswo auf der Welt. Bei all diesen Grausamkeiten, die der Mensch seinesgleichen sowie anderen Lebewesen antut, ist es mehr als notwendig über eine Änderung des Konsumverhaltens nachzudenken. Also begann ich aufzulisten, was ich die letzten Jahre kaufte und stellte zufrieden fest, dass es Jahr für Jahr weniger wurde. Waren es zu Beginn meiner neuen Arbeitstätigkeit hauptsächlich noch Hemden, Blusen und ein Anzug, konnte ich letztes Jahr mit stolz behaupten, nur ein paar fair und nachhaltig produzierte T-Shirts zum Wandern erworben zu haben. Dieses Jahr standen ein Paar Wandersandalen auf dem Plan, um die ich aufgrund einer Fußverletzung nicht herumkam. Ich bin guter Dinge, dass das Paar Schuhe dieses Jahr das einzige Stück auf meiner Kleidungs-Konsum-Liste bleibt. Und ich wage es, noch einen weiteren Schritt zu gehen. Denn trotz meiner zurückhaltenden Käufe der letzten Jahre, ist der Kleiderschrank gut gefüllt mit vielen Dingen, die man einmal getragen nie wieder benutzt. Hierzu informierte ich mich unter anderem auf einer meiner Lieblingsseiten – Utopia – denn auch richtiges Ausmisten will gelernt sein.

Insgesamt besitze ich ca. 20 Paar Schuhe (und somit vermutlich schon weniger als viele andere Frauen), etliche T-Shirts und Oberteile sowie einige Hosen. Meine nächsten Schritte werden sein, gut erhaltenes online zu verkaufen und den Rest sinnvoll zu spenden. Bin sehr gespannt, wie sich mein Kleiderschrank reduzieren wird und freue mich jetzt schon auf den losgewordenen Ballast. Ebenso freue ich mich über Kommentare, was ihr zu dem Thema denkt und evtl. bereits tut.

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