Ruhe

Warum ich „minimalistisch“ wohne?

Geboren wurde das Ganze eigentlich aus der Not heraus. Nach 4-jähriger Beziehung, Mitte 20, verschuldet von Studium und Weiterbildung und abwechselndem Schlafen in den alten Jugendzimmern musste eine Wohnung her. So konnte es nicht weitergehen, daher machten wir uns auf die Suche. Zumindest ich machte mich auf die Suche, denn wenn es nach meinem Partner gegangen wäre, hätten wir ruhig noch ein Jahr damit warten können. Nun bin ich jemand, der alles gerne immer sofort umsetzt und recht ungeduldig ist, wenn es nicht klappt. Das war letztendlich auch mit der Wohnung der Fall – zu klein, zu teuer, zu versifft, keine Tierhaltung möglich.

Da öffnete das Schicksal plötzlich eine Tür…

…und das Nachbargrundstück meines Elternhauses inkl. kleinem Gartenhaus stand zum Verkauf. Wieder einmal den Eltern sei Dank, konnten wir es erwerben und ein paar Umbaumaßnahmen vornehmen, da es leider vom Vorbesitzer sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. So klein das Haus auch war, umso größer war das Grundstück, wo wir uns nach Belieben verwirklich konnten – was wir später mit den Ziegen auch taten.

Schon damals wollten wir alles (und natürlich auch den Kostenrahmen) so gering wie möglich halten, bauten also nur das Nötigste ein. Gasheizung? Fehlanzeige! Wir entschieden uns für einen Holzofen mit geringen Emissionen. Badewanne? Natürlich nicht! Dafür wäre, mal abgesehen vom Wasserverbrauch, auch gar kein Platz gewesen. Küchenzeile erhielten wir aus Restbeständen der Verwandtschaft. Zusätzlich gönnten wir uns eine Schlafcouch, einen kleinen Tisch für 2 Personen sowie ein Regal und einen Kleiderschrank. Fertig war unser kleines Ein-Raum-Domizil mit ca. 35 qm für zwei Personen.

Damals bezeichnete ich es nicht als minimalistisches Wohnen und auch heute würde ich ehr den Begriff „genügsames“ Wohnen benutzen. An kalten Wintertagen sehnte ich den Komfort einer Zentralheizung herbei. Denn nachdem das abendliche Kaminfeuer erloschen war und man am Morgen bei acht Grad erwachte und im eiskalten Bad stand, konnte man sich das ein oder andere Schimpfwort nicht verkneifen. Es gab sogar Zeiten, in denen ich sehr unzufrieden mit der Enge war und mir nichts mehr als viel Platz wünschte. Platz zum Ausbreiten beim Kochen, Platz für ein separates Schlafzimmer, Platz zum Freunde einladen, Platz im Badezimmer. Insbesondere deshalb, weil es nur als Übergangslösung für 2-3 Jahre gedacht war. Inzwischen werden es fast sechs Jahre.

Die Unzufriedenheit beginnt wie immer im Kopf. Natürlich macht es manchmal unzufrieden, wenn man sieht, wie alle anderen vermeintlich „voran kommen“ und man selbst gefühlt auf der Stelle steht. Doch sobald man es schafft, seine alten Denkmuster zu durchbrechen, wird man glücklich – und das ist nicht nur eine hohle, oft daher gesagte Phrase, erfordert aber Arbeit an sich selbst und Disziplin. Daher sagte ich mir

„Was soll’s?“

Wozu brauche ich überhaupt soviel Platz?  Um meine Wochenenden mit Putzen zu verbringen oder mit Führen eines geordneten Haushaltes? Das war nie meine Stärke. Ein weiterer Vorteil ist, dass man weniger Dinge anhäuft, die man am Ende doch nicht mehr nutzt (ich sage nur Küchengeräte), denn dafür war ja kein Platz. Umso mehr die Veränderung meines Denkens hin zu einer nachhaltigeren Lebensweise stattfand, desto weniger störte mich die Wohnsituation. Mittlerweile bin ich an einem Punkt, an dem ich mich bewusst dafür entscheide. Denn weniger zu besitzen bedeutet tatsächlich zufriedener zu sein. Auch ich besitze nach wie vor Dinge, auf die man gut verzichten könnte, wie sinnlose elektrische und vor allem nie genutzte Haushaltsgeräte. Aber wer sich dessen bewusst geworden ist und das auch gerne so möchte, kann etwas dagegen tun. Und wenn der erste Schritt ist, einiges zu spenden, auf Flohmärkten oder übers Internet zu verkaufen.

Ich für meinen Teil werde diesen Weg weiter beschreiten. Werde in der nächsten Phase, die ich bereits vor Jahren begonnen habe, meine Einstellung zum Kauf von Kleidung weiter verändern. Werde mich an kleinen Dingen, wie dem Kaminfeuer an kalten Winterabenden, erfreuen.

Dies ist kein Plädoyer dafür, Haus oder Wohnung aufzugeben, um in der Gartenhütte oder im Wohnwagen zu leben. Vom Wohnraum minimalistisch zu leben, kann mitunter sehr beengend und anstrengend sein. Es ist kein Spaziergang im Park, sondern erfordert, wie oben erwähnt, enorme Disziplin. Aber ich bin ein Freund der kleinen und stetigen Veränderungen. Daher bin ich der Meinung, dass es jedem sehr viel mehr an Zufriedenheit gibt, sich von Dingen zu trennen und möchte mit diesem Beitrag ermutigen, es einfach einmal auszuprobieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*